Meine Zuhause für das nächste Jahr

Jetzt sitze ich gerade auf meinem Balkon und genieße das Frühstück. Der Ausblick auf die von der Morgensonne angestrahlten Bäume hat etwas Idyllisches. Eichhörnchen spielen in den Zweigen. Vögel zwitschern um die Wette und fliegen von Baum zu Baum. Natürlich habe ich euch ein Bild gemacht von meiner tollen Aussicht. Zum Glück bin ich auf der Rückseite des Hauses, sodass ich hier nicht direkt auf die Straße schaue. Was ist das für ein grünes Paradies auf dem Nachbargrundstück? Es ist ein Friedhof. Und nein, Geister habe ich noch keine gesehen. Und Kinder die bei Vollmond mit toten Katzen herumlaufen auch nicht.

Frühstück auf Balkon mit tollem Ausblick auf von Morgensonne beschienene Bäume

Frühstück auf Balkon mit tollem Ausblick auf von Morgensonne beschienene Bäume

Das ist meine Aussicht vom Balkon aus.

Das ist meine Aussicht vom Balkon aus.

Den Tag so zu beginnen macht mir richtig Spaß. Vor dem Frühstück bin ich schon ein paar Bahnen im hauseigenen Pool geschwommen. Der Pool wird von den anderen Hausbewohnern kaum genutzt. Das Servicepersonal, das den Pool in Ordnung hält, freut sich, dass endlich einer da ist und dort regelmäßig badet. Leider wird der Pool abends um 21:30 Uhr abgeschlossen. Wenn ich etwas später aus der Vorlesung komme, kann ich kein Mondscheinschwimmen mehr machen. Robert schließt den Pool morgens auf und macht ihn sauber. Er will mit der Managerin sprechen, ob ich den Pool abends abschließen könnte. Wie das ausgeht, werden wir sehen. Bis dahin nutze ich den Pool während der Öffnungszeiten.

Der Pool von Place72

Mein Pool :-) Naja, zumindest bin ich immer allein dort.

Jetzt kennt ihr das Drumherum um meine Wohnung. So will ich euch auch meine Wohnung kurz vorstellen. Es ist eine Wohnung mit Küche, Essbereich und direkt angeschlossenem Wohnzimmer und Balkon. Ein Schlafzimmer und ein Bad. Beide sind durch ein „Walk-in-Closet“ verbunden, also ein begehbarer Kleiderschrank. Dieser begehbare Kleiderschrank ist fast so groß das eine Zimmer in Wolfenbüttel, in dem ich für einen Monat gewohnt habe. Zwei weitere Closets sind in der Wohnung und ein großes Closet habe ich auf dem Flur.

Grundriss

Der Grundriss meiner Wohnung.

Nach Vertragsunterzeichnung

So sehr habe ich mich gefreut, nachdem ich den Vertrag unterzeichnet hatte und die Wohnung mir gehörte.

Auf dem Bild sieht die Küche noch etwas kahl aus. Mittlerweile habe ich auch für den Rest der Wohnung einige Möbel und ich habe es mir gemütlich gemacht. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber ich bin schon ganz zufrieden mit der aktuellen Lage. Insbesondere auch, weil die Wohnung frisch renoviert ist, der Balkon neu gemacht und die Küchengeräte neu sind.

Kleine Info am Rande: In den USA ist es üblich, dass in der Wohnung schon eine komplette Küche eingebaut ist und der Vermieter für die Geräte (bei mir sind das: Kühlschrank, Herd, Ofen, Spülmaschine, Mikrowelle und Garbage Disposal) zuständig ist. Und durch die Closets brauchen die Amis auch weniger (bis keine) Schränke. Dies beides erleichtert den Umzug enorm. Und ich musste mir weniger Möbel zulegen um mich einzurichten. :-)

Wer den Garbage Disposal nicht kennt: Der Garbage Disposal ist unter dem Waschbecken angebracht. Wie ein Standmixer zerkleinert er Essensreste, die dann in die Kanalisation abgeleitet werden. Damit man die Essenreste in den Garbage Disposal hinein bekommt, ist natürlich der Abfluss im Waschbecken faustgroß. Damit es nicht zu Verstopfungen kommt, sollte man ausreichend Wasser hinzufügen und nicht alle Essensreste auf einmal einführen.

Küche

So sieht meine Küche aus.

Esszimmer Küche Wohnzimmer Panoramabild

Hier ein Rundumblick vom Esszimmer über die Küche zum Wohnzimmer.

Schlafzimmer

Ganz in THW-Blau habe ich keinen Bettbezug gefunden, aber das ist nah dran. Schläft sich super.

Kleine Info: Hier in Amerika sind die Betten anders, als bei uns. Die haben hier nicht nur eine Bettdecke die je nach Jahreszeit unterschiedlich dick sein kann. Hier werden „Blankets“ verwendet, einfache Decken, wie man sie bei uns eher auf dem Sofa hat oder zum Picknicken mitnimmt. Je kälter es wird, desto mehr Blankets werden zum Zudecken genutzt.

Mein Walk-In-Closet

Mein Walk-In-Closet (Begehbarer Kleiderschrank) verbindet Schlafzimmer und Bad.

Bad

Bad, mit fester Duschwand.

Wem die Wohnung gefällt, der sei herzlich eingeladen mich zu besuchen. Meine Telefonnummer und Adresse möchte ich hier nicht öffentlich preisgeben, auf Nachfrage gebe ich sie euch aber gerne.

Was sagt ihr? Wie findet ihr die Wohnung? Hinterlasst mir bitte unten einen Kommentar.

Amerikanisches Bankkonto und neue Kleidung

Um meine Miete bezahlen zu können haben wir heute ein Konto für mich eingerichtet. Die First National Bank ist zum einen die Bank meiner Gastfamilie und zum anderen hat sie einen Geldautomaten bei uns an der Uni. Die Geldautomaten heißen hier ATM was für „automated teller machine“ steht und so viel heißt wie automatisierter Bankangestelltenautomat. Die Kontoeröffnung wäre normal wesentlich schneller erledigt gewesen, weil ich aber das deutsche Bankwesen so gut kenne, sind mir viele Unterschiede aufgefallen und ich habe viele Fragen Gestellt. Einige Fragen konnte die Kundenbetreuerin der First National Bank selbst nicht beantworten und sie musste den Bereichsleiter fragen. Am Ende wollte ich noch Geld von meinem deutschen Konto auf das neu eröffnete amerikanische Bankkonto überweisen. Die internationale Überweisung hätte aber sehr hohe Gebühren mit sich gebracht, sodass ich mich entschied kostenlos Geld am ATM von meinem deutschen Konto abzuheben und direkt auf mein neu eröffnetes Konto einzuzahlen. Leider konnte ich nur $300 abheben; woran das liegt weiß ich noch nicht, vielleicht am ATM, vielleicht an der Kreditkarte.

Meine Gastmutter war danach noch mit mir einkaufen. Auf meine Reise nach Amerika habe ich extra wenig Kleidung mitgenommen, weil ich mich hier neu einkleiden will. Dazu haben wir heute den ersten Schritt getan. Eine neue Hose und ein neues Hemd trage ich in dem Bild.

Ich mit neuer Kleidung im Wohnzimmer meiner Gastfamilie

Hier in den USA scheint es weniger eine Rolle zu spielen, wie viel man ausgibt. Viel mehr sind die Leute daran interessiert, wie viel sie bei jedem Einkauf sparen. Der Laden, in dem wir heute eingekauft haben, hat sogar ein neues Kassensystem, das dem Kunden auf einem Bildschirm beim Einscannen immer die aktuelle Summe an „gespartem“ anzeigt. Deshalb wird hier auch die Karte zuerst gescannt, mit der man 15% Rabatt bekommt. Ab 100% erhöht sich das automatisch auf 20%. Bei meinem Einkauf haben wir heute ca. $180 gespart und nur $80 ausgegeben. (Eigentlich war ich knapp über $100, aber davon gingen ja nochmal 20% runter. Und die anderen Dollars habe ich dadurch eingespart, dass ich herabgesetzte Kleidungsstücke gekauft habe.

Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich Sachen für das Studium gekauft: Notizpapier, Tacker, Locher, Anspitzer, Karteikarten, Tesafilmabroller, …
Auch was diese Austattung angeht bestehen Unterschiede zu dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin. Z.B. sind die Ordner hier nicht mit zwei Bügeln, sondern mit dreien ausgestattet.

Nur der Vollständigkeitshalber. Der Beginn der Kurse verläuft gut. Ich finde es allerdings etwas unverschämt, dass die Studenten hier in den USA sich Bücher für die Kurse kaufen müssen, weil darin der Stoff behandelt wird und zum Teil sogar Aufgaben daraus gemacht werden müssen, die in die Note mit einfließen. Die Bücher kosten vereinzelt sogar mehr als $200 das Stück. Die meisten Bücher liegen zwischen $70 und $150. In einem Kurs brauche ich sogar zwei Bücher. Von der TU Braunschweig bin ich es gewohnt, dass alle erforderlichen Bücher in ausreichender Stückzahl in der Bibliothek vorgehalten werden. Hier in den USA ist keines der erforderlichen Bücher auch nur mit einem einzigen Exemplar in der Bibliothek hinterlegt.

Euer
Georg

Ankunft und die ersten zwei Tage

Anreise

Das Wichtigste zuerst: Ich bin gut in Omaha angekommen und die Dinge sind ins Rollen geraten. Doch der Reihe nach. Der Flug von Frankfurt nach Newark war weniger spektakulär. Ich konnte ein bisschen schlafen, immerhin hatte ich eine Reihe mit drei Sitzen nur für mich. Vom Mittagessen habe ich beide angebotenen Speisen gegessen: Lasagne und Hähnchen. Dann hat die Zeit noch für drei Filme gereicht. Für die Technikinteressierten: Das Entertainmentsystem an Bord des Flugzeugs lief auf Linux, hat auch während Start und Landung funktioniert, aber beim Film abspielen waren sehr viele Ruckler drin. Bei der Landung in Newark hatte ich eine tolle Sicht auf die Skyline von New York und die Freiheitsstatue.

In Newark kamen wir relativ pünktlich an. Anstatt am Terminal B anzulegen (wie auch nach der Landung zuerst angekündigt) wurden wir aber kurzfristig doch an das Terminal C verwiesen. Vom Flugzeug musste ich zuerst in die USA einreisen. Jeder der schon einmal in die USA geflogen ist weiß, dass es hier so geregelt ist, dass es einige Flughäfen für internationale Flüge gibt wo die Passagiere zuerst durch die Passkontrollen müssen und die offizielle Einreise in die USA erfolgt. Hinter der Passkontrolle mussten wir unser Gepäck abholen, auch das große, und durch den Zoll gehen. Beim Zoll mussten wir alles Angeben wie z.B. dass wir 10.000,00 USD in Bargeld einführen. (Das hätte ich gerne gemacht, aber so viel hab ich dann doch nicht in bar rumliegen, außerdem hab ich vergessen mir vorher USD zu besorgen).

Der Newark Flughafen besteht aus drei Terminals: A, B und C. Jedes Terminal ist ein eigenständiges Gebäude. Ein Airtrain (vollautomatischer Zug auf Stelzen) verbindet die drei Terminals, man kann aber auch laufen. Ich kam am Terminal C an und mein Anschlussflug sollte vom Terminal A starten. Nachdem ich die Einreise in die USA erfolgreich gemeistert habe und beim Zoll auch nicht weiter aufgehalten wurde, habe ich mein Gepäck wieder bei United abgegeben und bin mit dem Airtrain so schnell ich konnte zum Terminal A gefahren. Dort musste ich erneut durch die Sicherheitskontrolle (Ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Sicherheitskontrollen während meiner Reise hatte). Als ich in der Wartelinie stand sagte mir meine Uhr, dass es immer noch 7 Minuten vor 15 Uhr ist. (Die Uhr ist auf dem Flug von Frankfurt nach Newark stehengeblieben, deshalb hab ich die Zeit nicht umgestellt). In Wirklichkeit hätte ich schon am Gate sein und mich auf dem Weg ins Flugzeug befinden sollen.

Weil ich so spät dran war (zu wenig Zeit zum Umsteigen) habe ich mich in der Warteschlange für die Sicherheitskontrolle vorgedrängelt. Der Aufpasser hätte mich fast gefressen, so böse hat er zu mir gesagt, ich sollte wieder zurück auf meinen Platz in der Warteschlange. Was mache ich also? Ich halte ihm mein Flugticket unter die Nase und frage ihn, ob mein Gate geändert wurde. Das wusste er natürlich nicht, ist ja nicht seine Aufgabe. Bei der Gelegenheit erwähne ich sehr insistierend, dass mein Flugzeug schon am Boarden ist und ich ganz schnell dort hin muss. Naja, dann durfte ich auch ganz schnell wieder zum Anfang der Warteschlange und kam als nächster für die Sicherheitskontrolle dran. Eigentlich hätte ich noch meine Wasserfalsche wieder füllen wollen, bin aber direkt zum Gate gerannt… wo kein Flugzeug stand.

Das Flugzeug war an einem anderen Gate und am Counter stand schon das Schild, dass die Flugbegleiterin schon dabei ist den Flieger fertig zu machen und kein Boarden mehr möglich sei. Ich bin hingerannt und habe ihr mein Ticket unter die Nase gehalten. „Omaha?“ wurde ich gefragt und nachdem ich das bestätigt habe, durfte ich doch noch schnell an Bord. Ich war der Letzte und alle anderen saßen schon auf ihren Plätzen. Als ich saß, machte die Flugbegleiterin eine Durchsage: „Das ist der Flug nach Omaha. Jeder der nicht nach Omaha will, ist hier falsch und soll sich bitte jetzt melden.“ Ich fand und viele andere Fluggäste fanden das sehr lustig, denn wer würde schon in ein Flugzeug einsteigen, dass irgendwo hinfliegt wo ich nicht hin will… Ein Mädchen ist aber panisch aufgesprungen und nach vorne gerannt und hat das Flugzeug verlassen. Dann wurde die Tür geschlossen, wir wurden gebeten alle elektronischen Geräte auszuschalten usw… Ich hatte es aber noch für wichtig gehalten, meinen Pickup Service, den die Universität in Omaha organsiert hat, zu informieren, dass ich es in das Flugzeug geschafft hatte und pünktlich in Omaha ankommen würde. Die Flugbegleiterin fand es gar nicht lustig, dass ich noch am Handy am Tippen war. Sie machte sogar eine Durchsage: „Wir sind bereit zu starten, außer für den jungen Herrn, der noch am SMS-Schreiben ist. Er möge mir bitte Bescheid sagen, wenn er fertig ist, damit ich dem Pilot bescheid geben kann, dass wir los können.“ 10 Sekunden später stand sie wieder neben mir und drohte mir sogar damit, mich dem Flugzeug zu verweisen. Ich war so nervös, dass ich sogar die SMS wieder löschte und neu tippen musste. Am Ende hab ich die SMS fertig geschrieben und die Flugbegleiterin hat sich vom Drachen zurück verwandelt. Wir konnten aber sowieso noch nicht starten, denn wie der Pilot uns informierte, wurde noch nach dem Koffer des Mädchens gesucht, das den Flieger wieder verlassen hatte.

Ankunft

In Omaha hat es sehr gut mit dem Pickup Service funktioniert. Dann hatten wir Schwierigkeiten meine Gastfamilie zu finden, die mir das International Office von der UNO organisiert hat. Der Fehler war in der Adresse, die mir zugeschickt worden war. Dann war die Telefonnummer von der Gastfamilie auch falsch abgebildet. Zum Glück hatte ich noch eine zweite Nummer und dort haben wir die Gastfamilie erreicht und den Fehler in der Adresse ausfindig und beseitigen können.

Der erste Tag an der UNO (University of Nebraska at Omaha)

Am Morgen hatten alle internationalen Studenten eine Orientierungsveranstaltung. Wir haben die Grundlagen zu den Visabestimmungen und allem Möglichen rund um UNO und dem Studieren erzählt bekommen. Ich konnte mir einige Tipps von anderen Studenten holen hinsichtlich Handyverträge und Wohnungssuche.

Am Abend war die Einführungsveranstaltung von meinem MBA-Programm am College of Business Administration (CBA). Dazu werde ich wohl später noch mehr erzählen.

Zwischen den beiden Veranstaltungen bin ich spazieren gegangen und habe mir bei verschiedenen Anbietern Handyverträge angeschaut. Ich muss sagen, dass jeder deutsche Vertrag besser und fairer ist, selbst einer von der Telekom. Mich über die amerikanischen Handyverträge aufzuregen würde gibt genug Stoff für einen eigenen Blogeintrag.

Der zweite Tag

Meine erste Aktion war es mir einen Handyvertrag zu holen. Ich habe von Christopher J. von einem Prepaid Vertrag erfahren, der mir erlaubt mein deutsches Simlockfreies-Handy zu verwenden. H20 heißt der Anbieter. Ist zwar wirklich guter Vertrag, aber vergleichsweise günstig und ein Anruf nach Deutschland kostet genauso viel wie ein Anruf in den USA. 2,5 Cent für jede Minute und jede SMS. Aber auch für eingehende Minuten.

Achja, und ich musste mir noch einen Reisestecker kaufen. Mein Tipp: in Deutschland kaufen, ist günstiger. Aber ich konnte jetzt mein Laptop wieder laden. Bis ich um 14 Uhr meinen Termin beim International Office hatte, nutzte ich die Zeit um nach Wohnungen im Internet zu suchen und mit meinem neuen Handyvertrag Besichtigungstermine zu vereinbaren.

Nach meinem Termin hat mich meine Gastmutter abgeholt und wir sind zu den Besichtigungen gefahren. Auf dem Weg haben wir noch mehr gut aussehende Wohnkomplexe gesehen wo „For Rent“ Schilder aufgestellt waren und ich die Nummern angerufen habe. Die schönste Wohnung die wir gesehen haben, war bei Place 72. Jan E. hatte mir den Wohnungskomplex schon im Vorfeld empfohlen und Tom, der Markler, konnte sich auch an ihn erinnern, was mir vieles in dem Gespräch erleichtert hat. Das Auffälligste am Place 72 ist der Pool direkt vor der Haustür für die Bewohner. (Leider wird der Pool von Anfang September bis c.a. Juni geschlossen.) Auch wenn die Miete etwas teuerer ausfäll, als von mir geplant, habe ich mich für die sehr schöne und frisch renovierte Wohnung entschieden. Noch ist dort der Vormieter drin, aber wenn ich Glück habe, kann ich schon nächstes Wochenende einziehen. (Bilder folgen, versprochen!)

Morgen werden wir mit den internationalen Studenten in den Omaha Zoo fahren. Ich freue mich schon darauf, denn der Zoo ist von Weltklasse.

Nichts ist jemals endgültig. (Hinflug #5)

Ich bin es ja schon gewohnt, dass es anders kommt als man denkt. Heute der Tag fing auf jeden Fall schon mal gut an. Mit einem Klingeln des Telefons wurde ich aus meinen süßen Träumen von weniger pünktlichen Fliegern und freundlichen Sicherheitspersonal gerissen. „Five Thirty-Two this is your wake-up call!“ quäckte mich eine Computerstimme aus dem Höhrer an. Ich habe nicht um den Weckruf gebeten und mein Flieger sollte ja sowieso erst am Nachmittag starten, also war mein Wecker auf deutlich später eingestellt.

So war ich erstmal wach und konnte auch nicht mehr einschlafen. Mir ging die Geschichte von Gestern nochmal durch den Kopf. Flugzeug von der Polizei beschlagnahmt. Mehrere Sicherheitskontrollen. Endloses Warten und nur wissen, dass man nicht weg darf. Da klingelte mein Telefon kurz. Es war eine Amerikanische Nummer und ich rief gleich zurück. Wer weiß, vielleicht wurde ich ja doch schon vermisst, obwohl ich jede Wendung zum Anlass nahm mit einer kurzen E-Mail jeden zu informieren. Am anderen Ende der Leitung war mein Pickupservice Nicole. Sie teilte mir mit, dass sie zu normalen Zeiten mich nicht abholen könnte, mit der aktuellen geplanten Ankunftszeit um 00:19 AM (Aug 16) würde es aber gehen.

Da ich jetzt endgültig wach war, ging ich zum Frühstück und traf sofort alte Bekannte vom Vortag wieder. Nach dem Frühstück, es wurde langsam dämmig draußen, verließ ich das Hotel und ging zum Flughafen um mir mein Boardticket zu holen. Am Schalter war es wie am Vortag leer und ich kam sofort dran. Ich fragte die nette Frau, ob es nicht einen besseren Flug gäbe, bei dem ich früher ankäme. Immerhin war ich jetzt schon fünf Stunden früher am Flughafen und könnte jeden Flug nehmen. Sie könne nur den Check-In machen und mir die Boardkarten drucken, mehr nicht und das tat sie auch. Als ich ihr meinen Zettel für mein Gepäck gab, damit es auf meinen Flug mitkommen könnte, war sie verunsichert, wie es relabled wird, damit das Gepäck auch die neue Flugroute über Housten und Denver nehmen würde… Sie ging nach hinten um nach zu fragen.

Als sie wieder kam, meinte sie, ich wäre umgebucht und würde jetzt doch anders fliegen. Es gibt wohl einen extra Flug mit dem der gestern ausgefallene kompensiert wird, oder das Flugzeug, das jetzt unplanmäßig noch hier steht überführt wird und gleich einige gestrandete Fluggäste mitnimmt. Mit der schönen Flugnummer UA1748 nach Newark. Von dort weiter nach Omaha. Also die alte Flugroute wieder. Wenn man bedenkt, wie umständlich es war überhaupt erstmal die andere Flugroute in Erfahrung zu bringen (Anrufen bei einer Hotline und stundenlanges Warten in mehreren Warteschleifen wo der Callcentermitarbeiter einen dann doch nicht im Sytem findet). Dann war das jetzt wieder deutlich einfacher, auch wenn es nur wegen dem Gepäck soweit gekommen ist.

Meine aktuelle Ankunftszeit ist jetzt 3:36 pm in Omaha mit Flug UA4361. Nicole ist jetzt darauf eingestellt mich erst nach Mitternacht abzuholen…

Jetzt sitze ich hier am Gate Z21 und sehe viele alte Bekannte vom Flieger gestern. Man grüßt sich schon freundlich und erzählt sich Lebensgeschichten. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft von gestrandeten Fluggästen am Frankfurter Flughafen geworden.

So eben wird der Beginn des Boardings angekündigt. Dann werde ich mal die Schreibfeder zum schweigen bringen und mich ins Flugzeug begeben. Soweit ich gehört habe, ist der Flieger nur 1/3 besetzt, sodass wir viel Platz haben werden.

Euer Georg

Newark => Husten + Denver -> aus 1 mach 2 (Hinflug #4)

Mein Flug wurde umgebucht, doch das Interessante zuerst. Die Gerüchteküche brodelt. Es gibt die wildesten Theorien, was zu unserem Ausnahmezutand heute geführt haben soll. Doch zuerst zu den harten Fakten. Ich weiß, dass wir sehr gründlich durchsucht wurden und von der Polizei festgehalten wurden. Unser Gepäck ist übrigens immer noch in der Gewalt der Polizei. Es war nicht allein mein Flug betroffen. Hier im Hotel sind mehrere Passagiere von United Flügen, die nach dem Boarding doch festgehalten wurden. Die haben aber ihr Gepäck noch bekommen, bevor sie ins Hotel gebracht wurden. Mehrere Augenzeugen berichten, dass zwei Passagiere aus meinem Flugzeug in Handschellen abgeführt wurden. (Ich war ja als einer der ersten von Bord und hatte schon im Bus gesessen und meinen ersten Bericht geschrieben, als das passiert ist).

Für die beste Theorie, was heute los sei, halte ich die, dass eine Bombendrohung gegen United und speziell meinen Flug vorgelegen habe. Zumindest wurde an meinem Flugzeug vermutet, dass es ein Sicherheitsproblem gäbe. Warum sonst waren vier Männer unter anderem auch von der Polizei zusammen auf jede Toilette gegangen und haben die danach abgesperrt?

Eine zweite Theorie, die aber weniger umfassend ist, besagt, dass ein Passagier sich an einer Toilette bei uns mit Spzialwerkzeug zu schaffen gemacht haben soll. Dabei passt ins Bild, dass zu dem Zeitpunkt, als wir noch am Boden standen und das Flugzeug noch offen war, ein Mann auf Toilette ging und dort ziemlich lange geblieben ist. Daran können sich mehrere sehr gut erinnern, weil zeitgleich ein anderer Passagier auch auf Toilette wollte und die Flugbegleiterin noch meinte „warte, da ist schon jemand drauf, ist aber ein Mann, dauert bestimmt nicht lang“. Da ich ja direkt vorne saß und dort auch die Toilette ist, hab ich das auch mitbekommen, hab aber nicht die Minuten gezählt, bis er wieder von Toilette kam, was aber wohl doch länger war als gedacht. – Ich persönlich glaube aber nicht, dass dies der Grund für unser heutiges Debakel war.

Auf jeden Fall meinen viele Passagiere, dass es schon beim Einsteigen Zeichen gegeben habe, dass wir nicht fliegen würden. Sie wollen ungewöhnliche zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen gesehen haben, die darauf hindeuten, dass bereits etwas erwartet wurde.

Der Witz ist, dass beim Boarding durchgesagt wurde, der Flug sei überbucht und es werde jemand Freiwilliges gesucht der für einen Voucher in Höhe von 300 Euro eine Nacht in Frankfurt bliebe und erst am nächsten Tag fliegen würde. Jetzt haben sich viele von uns gewünscht, sie hätten das Angebot angenommen. Denn effektiv fliegen bis auf 10 die heute noch einen Flug bekommen haben, doch alle erst morgen, aber ohne den Voucher in Höhe von 300 Euro.

Geänderte Reiseroute

Meine Reiseroute war ursprünglich von Frankfurg um 8:45 Uhr mit UA 118 nach Newark zu fliegen und dann um 13:25 Uhr weiter mit UA 4361 nach Omaha wo ich um 15:36 ankommen wollte.

Aus einem Zwischenstopp sind mittlerweile zwei geworden. Die neue Reiseroute sieht wie folgt aus: 13:50 Uhr ab Frankfurt mit UA 740 nach Husten (18:05). Um 19:19 Uhr weiter mit UA 1214 nach Denver (20:55) und von dort weiter um 21:55 Uhr nach Omaha mit Ankunftszeit 00:19 Uhr.

Ich finde das nicht weiter schlimm. Aber ich werde abgeholt und finde es eine Zumutung für die Freiwillige Studentin, die mich vom Flughafen abholt und die Familie, die mich die ersten Tage aufnimmt.

Euer
Georg