Rivendell – Elronds Zuhause

Ich habe Rivendell nur durch Zufall entdeckt. Rivendell ist Elronds Zuhause in Herr der Ringe. Der Ort aus dem Film existert in der Form natürlich nicht, dennoch bin ich auf den Ort gestoßen, wo die Szenen gedreht wurden. An dem Ort, steht natürlich nichts mehr vom Filmset. Infotafeln erklären aber, wo welches Haus gestanden hat, welcher Baum in welcher Szene zu sehen war und von wo welche Filmszenen gedreht wurden. Das ganze ist schon mehr als 10 Jahre her und der Wald hat sich seit dem verändert, aber die meisten Bäume stehen noch und man kann sich das vorstellen. Hinter jedem Busch habe ich Legolas oder Elrond erwartet.

Aha, da ist Elronds Zuhause sogar ausgeschildert.

Aha, da ist Elronds Zuhause sogar ausgeschildert.

Überrascht hat mich aber doch, wie klein das alles gewesen ist. Anhand der Infotafeln und der eingezeichneten Bäume kann man die Entfernungen etwa abschätzen. Ich bewundere diejenigen, die sich ein Filmset in dem unentwickelten Wald vorstellen koennen und nicht nur vorstellen, sondern auch erschaffen. Es ist bewundernswert, wie aus dem nichts ein Filmset entstehen kann (und wieder verschwindet). Im Film hat es immer den Anschein, als sei es viel Größer und umfassender.

Ich war einfach erstaunt, Rivendell zufällig gefunden zu haben. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich ein Picknick zu mir genommen, eine Wanderung durch den Wald gemacht und den Urwald genossen.

Bis bald Euer
Georg

Ninety Mile Beach zu Fuß

Wir haben uns zu dritt einer Herausforderung gestellt: den Ninety Mile Beach zu Fuß nach Norden abzulaufen und dann weiter bis zum Kap Reinga zu gehen. Ich kann euch schon verraten, wir haben es geschafft, aber nicht ohne Rückschläge und Widrigkeiten. Ich beginne von vorne:

Der Strand ist wunderschön, hier mit Muscheln geschmückt.

Der Strand ist wunderschön, hier mit Muscheln geschmückt.

Der Plan sieht vor, die 88 km Strand zu Fuß zurück zu legen. Ja, der 90 Mile Beach ist nicht so lang, wie sein Name es vermuten lässt. Vom Ende des Strandes ist es nur noch ein Tagesmarsch bis zum Kap Reinga, dem nördlichsten, touristisch erschlossensten Zipfel Neuseelands. Die nördlichste Ecke ist so nicht zugänglich und weniger bekannt. Insgesamt werden wir also über 100 km laufen. Auf dem Weg werden wir nicht immer Zeltplätze oder andere Zeichen von Zivilisation sehen, sodass wir Verpflegung, Wasser, Zelt, Schlafsack, Isomatte und Zahnbürste mittragen müssen. Damit wir es ein wenig einfacher haben, deponieren wir auf dem letzten Zeltplatz, nach ca. einem Viertel der Gesamtstrecke, Essensvorräte. Und dann geht es auch schon los.

Das Abenteuer beginnt bereits am Mittwoch. Unser Plan sieht vor, eines unserer Autos nach Norden zu fahren und dort auf dem Parkplatz am Kap Reinga stehen zu lassen. So könnten wir dann bei unserer Ankunft einfach zurück fahren. Wir fahren also mit zwei Autos dorthin, lassen ein Auto stehen und kommen mit einem Auto zurück. Je Fahrtrichtung sind das ca. 1,5 Stunden. Dann kommt uns die geniale Idee, bei den Verantwortlichen des Parkplatzes Bescheid zu sagen, dass dort die nächsten 4-5 Tage unser Auto steht. Bei dem Anruf warnt uns die nette Frau, dass dort auf dem Parkplatz häufig Autodiebstähle zu beklagen seien. Sie rät uns dringend davon ab, das Auto dort oben stehen zu lassen, sonst kämen wir dort vielleicht an, finden aber wahrscheinlich kein Auto mehr vor. Also fahren wir wieder hoch und holen das Auto zurück. Insgesamt kostet uns dieses unnötige Abenteuer NZ-$120 an Benzin. Außerdem verlieren wir einen Tag.

Strand soweit das Auge reicht und danach noch mehr Strand.

Strand soweit das Auge reicht und danach noch mehr Strand.

Am Mittwoch gehen wir also endlich um neun Uhr abends los. Es ist natürlich schon dunkel, aber bei Mond- und Sternenlicht gehen wir noch fast eine Stunde. Mit dem Meer links und die Dünen rechts geht es über den Sandstrand. Das Meer ist laut und bricht sich in immer mindestens vier Ebenen. Ich habe ständig das Gefühl, dass gleich eine große Welle auf den Strand raus kommt und uns unter lautem Getöse mit ins Meer reißt. Irgendwann schlagen wir unser Zelt für die erste Nacht in den Dünen auf.

Der Blick aus dem Zelt, direkt aufs Meer.

Der Blick aus dem Zelt, direkt aufs Meer.

Am zweiten Tag frühstücken wir gemütlich, packen alles wieder zusammen und ziehen weiter. Ich bin der einzige, der die Uhr am Handgelenk trägt und immer weiß, wie spät es ist. Wir gehen 2:20 Stunden bis zur Mittagspause. Fürs Mittagessen haben wir uns Reis mit Tunfisch in Tomatensauce gemacht. Um ehrlich zu sein, wir haben den Reis mit Tunfisch nicht nur für ein Mittagessen, sondern als Hauptmahlzeit für die nächsten Tage mitgenommen. Im Vorfeld kochten wir insgesamt 1kg Reis. Das war nach dem Aufkochen dann doch etwas mehr als gedacht (wir hatten eigentlich noch ein weiteres Kilo Reis eingeplant). Nach dem Mittagessen gehen wir wieder 2:20 Stunden bis zur Kaffeepause. Anschließend treiben wir uns gegenseitig noch etwa ein und eine halb Stunde an weiter zu gehen. Als wir uns einen Platz zum Zelten suchen, sehen wir auch schon den Zeltplatz, auf dem wir weitern Proviant deponiert hatten.

Das Abenteuer sollte in dieser Nacht vorerst seinen Höhepunkt erreichen. Der Wetterbericht sagt 40 km Wind und starken Regen voraus. Unser Zelt ist aber ein wirklich billiges, das nicht einmal Wasserdicht ist. Um unser Zelt trotzdem benutzen zu können, kauften wir im Vorfeld eine schwarze 4x4m große Teichfolie. Diese warfen wir in dieser Nacht also über unser Zelt. Damit der Wind uns nicht davon pustet, graben wir drei Seiten der Teichfolie gründlich im Sand ein. Weil die Folie undurchlässig ist, bauen wir einen Eingang, der offen bleibt und uns mit Luft versorgt. Unsere Vorkehrungen werden belohnt, denn den Sturm können wir ohne nass zu werden genießen.

Mit Teichfolie haben wir das billige Zelt gegen Regen geschützt.

Mit Teichfolie haben wir das billige Zelt gegen Regen geschützt.

Die wirkliche Prüfung ist aber erst am nächsten Tag, denn es hörte nicht mehr auf zu regnen. Deshalb bleiben wir bis spät in den Tag im Zelt, doch irgendwann beschließen wir doch aufzubrechen und zumindest zum Zeltplatz vor zu gehen und unseren Proviant mitzunehmen. Mit Regenponchos und Regenschutz der Rucksäcke gehen wir los. Leider bin ich nicht wirklich auf das Wetter vorbereitet und meine Jeans und die Ärmel meines Hemds und Pullovers sind schon nach kurzer Zeit durchnässt. Nach einer halben Stunde treffen wir am Zeltplatz ein und beschließen uns zumindest eine heiße Dusche zu gönnen und darauf zu hoffen, dass der Regen bald aufhören würde.

Doch es wird nicht besser und wir buchen uns doch drei Betten für die Nacht. Ich find die Unterkunft richtig cool, denn wir bekommen eine kleine Hütte, in der genau drei Betten sind. Die Hütte hat eine große Fensterfront zum Meer hin. Am Morgen brauche ich also nicht einmal aufstehen, sondern kann das Meer vom Bett aus genießen. Das Zelt hatten wir unter dem Vordach zum Trocknen aufgehängt, sodass wir die nächste Nacht wieder im trockenen eigenen Zelt schlafen konnten.

Nach fast fünf Stunden Laufen fangen diverse Muskeln an sich zu melden. Auch die Füße kündigen an streiken zu wollen. An unserem zweiten Tag zu Fuß ist es noch nicht so schlimm, da wir ja den Regentag als Pause hatten. Doch am dritten Tag ist es sehr herausfordernd weiter zu laufen.

In der Nacht nach dem Zeltplatz beschließen wir im Freien zu schlafen. Beim Abendessen können wir schon die Sterne genießen und die Milchstraße beobachten. Bei der Aussicht wollen wir dann nicht mehr ins Zelt. In der darauf folgenden Nacht schlafe ich als einziger im Zelt, in der Hoffnung, dass es dort wärmer wäre… Nein, es ist nicht wärmer im Zelt.

In dieser Nacht sind Wildpferde ganz dich bei uns vorbei gekommen. Gehört haben wir sie nicht, aber die Hufspuren waren am Morgen unmissverständlich im Sand zu sehen. Am Abend und Morgen konnten wir die Pferde aber aus einiger Entfernung in den Dünen beobachten, sodass wir nicht überrascht waren. Insgesamt finde ich es faszinierend, dass diese Pferde wirklich wild sind und frei herumlaufen.

Hinter den Dünen sahen wir Wildpferde. Wer findet eines im Bild?

Hinter den Dünen sahen wir Wildpferde. Wer findet eines im Bild?

Insgesamt verbringen wir drei Tage zu Fuß am 90 Mile Beach. Jetzt kommen wir zum Ende und der letzte Tag steht an. Es wird nicht leichter, sondern auch dieser Tag fordert seinen Tribut. Doch wir sind froh bei dem Gedanken, dass unsere Wanderung bald zu ende wäre und wir wieder duschen können.

Dennoch ist der letzte Tag auch der interessanteste. Nach dem flachen Strand werden wir jetzt durch Berge wandern. Schon vom Strand aus gehen wir steile Treppen hinauf in luftige Höhen. Dort ist die Landschaft eine ganz andere und auch das Meer ist nicht mehr zu hören. Die Berglandschaft wechselt im Laufe des Tages sein Aussehen. Mal haben wir viele Büsche, dann Graslandschaft und bald Palmen und noch andere Pflanzen. Auch über wüstenähnliche Sandberge und durch Flüsse führt uns der Weg. Zwischendurch führt uns der Weg auch noch einmal an einen Sandstrand, wo wir uns doch beinahe verlaufen. Von dort mussten wir über Felsen klettern, was bei Flut gefährlich werden kann.

Unsere Reise wäre weniger ein Abenteuer geworden, wenn wir an dieser gefährlichen Stelle nicht zufällig bei Flut angekommen wären. Wir müssen also über spitze Felsen klettern. Landeinwärts ist uns jegliche Flucht durch eine steile Felswand versperrt. Aus dem Meer kommen regelmäßig Wellen, die Teile der Felsen vollständig überspülen und uns unweigerlich mit ins Meer reißen würden. Unsere Herausforderung ist es also die Wellen zu beobachten und im richtigen Moment zum nächsten sichereren Felsen zu gelangen. Meine Füße sind die einzigen, die dabei trocken bleiben. Nachdem wir diese Herausforderung beenden konnten, ging es wieder steil Bergauf.

Über Bergkämme, die auf der einen Seite steil ins Meer gehen und auf der anderen Seite eine wunderschöne Landschaft bieten, führt uns der Weg. Für mein Wohlbefinden wünsche ich mir Geländer, doch der Pfad ist nicht weiter gesichert. Beim Blick hinunter in die wilden Fluten, wie sie sich an der Felswand brechen, wird mir ganz mulmig und ich entscheide mich den Pfad nur auf der landeinwärts gewandten Seite zu laufen.

Am Ende unserer Wanderung kommen wir am Kap Reinga an. Dort treffen sich der pazifische Ozean und die Tasmansee und die Wellen laufen ineinander. Nach den Sagen der Einheimischen spiegelt dieses Spektakel die Zusammenkunft der männlichen und der weiblichen See und die Entstehung neuen Lebens wieder.

Erschöpft aber über glücklich haben wir Cape Reinga erreicht.

Erschöpft aber über glücklich haben wir Cape Reinga erreicht.

Unser Abenteuer ist jedoch noch nicht zu ende. Da wir kein Auto am Kap Reinga haben, müssen wir zurück trampen. Zum Glück finden wir zwei nette Brasilianer, die noch drei Plätze im Auto frei haben und uns mit zurück nehmen. Sie lassen uns auf dem Weg am Einkaufsladen raus. Dort erwerben wir wieder Lebensmittel für die nächsten Tage. Leider wird es jetzt schon spät und wir finden keine Fahrer, die uns die letzten 17km zu unseren Autos fahren würden. Dann finden wir doch eine Frau, die direkt neben dem Einkaufsladen wohnt, und sie bietet uns an gegen Spritgeld uns rumzufahren.

Insgesamt hatten wir eine gute Zeit. Die mehrtägige Wanderung am Ninenty Mile Beach war sehr anstrengend. Doch es war schön und hat sich gelohnt. Für mich weiß ich aber, dass diese mehrtägigen Wanderungen eher nur gelegentlich sein müssen.

Euer Georg

PS: leider ist mein Handy auf der Wanderung kaputt gegangen. Ab sofort kann ich keine eigenen Bilder mehr machen oder über WhatsApp/Skype mit meinen Freunden und Familie in Kontakt bleiben.

PPS (7. Juni ’15): Ich habe mein Handy ausgetrickst und bin an die Fotos gekommen :-) Ab sofort ist dieser Beitrag mit einigen Fotos geschmückt.

Wie im (richtigen) Film

Eine meiner Lieblingsaktionen bis jetzt war der Besuch in Hobbition. Der Drehort für die Hobbit Triologie ist bekanntlich für Touristen entworfen und erhalten worden.

Wir mussten mit dem Bus zum Drehort fahren, da es inmitten von Weideland eines Bauern liegt. Schon auf der Hinfahrt erfuhr ich, dass der Regisseur Peter Jackson Miteigentümer der Touristengesellschaft ist, die die Führungen durch Hobbiton anbietet. Bei der Masse an Besuchern und dem Preis (75 NZD = 55 Euro) dürfte sich das Unternehmen auf jeden Fall lohnen.

Vom Parkplatz gingen wir über einen Pfad, der durch zwei Hügel führt und rechts und links mit Steinmauern versehen ist. Wer die Filme kennt, ahnt vielleicht schon, dass es der Weg ist, durch den Bilbo läuft und ruft „I’m going on an adventure!“. Als ich um die Kurve bog, war ich sehr beeindruckt. Ich kam mir vor, als wäre ich soeben durch die Leinwand in den Film getreten. Vor mir lag der Gemüsegarten. Dahinter war die Festwiese zu sehen. Rundherum waren Hobbithöhlen. Keine der dreckigen Löcher in der Erde, sondern richtig gemütliche Hobbithöhlen. Rechts hinten, am Hang, war Bilbos und Frodos Hobbithöle, die größte von allen.

Nach der Runde durch Hobbition kehrten wir noch in den Grünen Drachen ein. Dort genossen wir dann noch „richtiges“ Hobbit Bier bei einem prasselnden Kaminfeuer.

Es war ein insgesamt tolles Erlebnis. Ich bin froh, dass ich hier sein durfte.

Euer
Georg

Spontanität

Viel ist seit dem letzten Mal passiert. Einzig die Tatsache, dass ich nicht im Vorausplane bleibt erhalten. Als vielleicht wichtigste Entscheidung sollte ich den Autokauf erwähnen.

Ich hatte ja beschlossen, nicht mehr mit der Reisegruppe zurück nach Auckland zu fahren. In Rotorua hatte ich Oliver kennen gelernt. Er ist auch Deutscher und fährt mit seinem Auto allein durch Neuseeland. Da er noch einen Platz im Auto hatte, konnte ich mich ihm anschließen. Ich nehme es gleich vorweg: ich habe Olivers Auto übernommen, da er schon diesen Monat wieder Neuseeland verlässt.

Von Rotorua haben wir jeden Tag spontan überlegt, was wir am nächsten Tag machen könnten oder haben die Entscheidung auf den nächsten Tag verschoben. Teilweise wussten wir erst Abends, wo wir die Nacht verbringen würden. Diese Spontanität gab uns die Flexibilität so manche tollen Dinge zu erkunden.

Beeindruckend fand ich den Hot Water Beach. Wenn Flut ist, ist es wie jeder andere Strand auch. Aber bei Ebbe wird eine Stelle am Strand zugänglich, wo aus der Tiefe heißes Wasser emporsteigt. Natürlich haben wir uns nicht informiert und standen bei Flut am Strand und fanden die Stelle nicht. Nachts um 10 Uhr kamen wir dann mit Schaufel und Spaten zur Ebbe wieder. Ich war erstaunt, dass außer uns rund 20 andere Menschen auch dort waren – mitten in der Nacht und besonders warm war es auch nicht. Wir gingen also barfuß am Strand, bis wir merkten, dass es warm wurde. Dort begannen wir zu graben und hoben ein Loch aus. Natürlich mussten wir unser Loch gegen die Wellen verteidigen und bauten dazu Verteidungswälle. In unserem Loch konnten wir nur gemütlich auf einer Seite sitzen, da auf der anderen das extrem heiße Wasser empor kam. Nachdem wir zuerst unser Loch für uns hatten, teilten wir es mit anderen, die sonst nicht ans warme Wasser gekommen wären. Wir blieben von allen am längsten und verzogen uns bei herannahender Flut in die weiter oben liegenden Löcher der anderen, bis auch diese vollends überflutet waren. Es war einfach schön, mitten in der Nacht in warmen und teils heißem Wasser, das natürlich aus dem Boden kam, am Strand zu entspannen.

Es passierte noch viel mehr, aber meine Zeit am Computer der Bibliothek läuft gleich ab und ich muss mich für heute verabschieden. Leider ist der Upload der Bibliothek auch so langsam, dass ich wieder keine Bilder bereitstellen kann.

Euer
Georg

Exakter oder unpräziser Sprachgebrauch im Alltag

Eine häufige Frage, die mir gestellt wird, ist: „Wie ist das Leben in den USA?“ Selbstverständlich beinhaltet dies mehrere Aspekte und Dimensionen. In einer Serie stelle ich hier im Blog vor, was mir im Laufe der Zeit auffällt. Manche dieser Beobachtungen sind lustig, einige frusten mich und meistens ist es eine gute Überlegung wert.

Heute möchte ich von etwas berichten, was mich regelmäßig erstaunt und ein bisschen frustet. Als Fremdsprachler habe ich erwartungsgemäß einen geringeren Wortschatz als Muttersprachler. Darüber hinweg hilft das Paraphrasieren, also das Umschreiben von Gegenständen, Gefühlen, Konzepten, Ideen, Tätigkeiten und was ich sonst ausdrücken möchte. Diese Technik erscheint ganz natürlich und in der Schule wurde ich dazu ermutigt, durch das Paraphrasieren eine Fremdsprache besser zu beherrschen. Ich finde es daher in Ordnung, wenn ich einfache Wörter, wie „Tortenheber“ weder aus dem Unterricht, noch aus der Zeitung kenne.

Gestern war ich mit Freunden unterwegs. Bevor wir uns den Film „Hunger Games“ in der Stadt angeschauten, backten wir einen Pie (eine Amerikanische Variante eines Kuchens). Nach dem Film war der Pie abgekühlt und wir verspeisten ihn. Beim Servieren stellten wir fest, dass mein Freund keinen Tortenheber zuhause hat. Während ich in meinem Gedächtnis nach dem englischen Wort für Tortenheber suchte, umschrieben wir gemeinsam den Aufbau und die Funktion desselben. Als ich dann immer noch nicht das Wort wusste, fragte ich meine Freunde, wie das Gerät denn heißt und habe als Hilfestellung auch den deutschen Namen genannt. Erfahrungsgemäß gibt es im englischen gelegentlich ein ähnliches Wort zum Deutschen (dazu könnte ich einen eigenen Blogbeitrag schreiben). Als Antwort bekam ich aber nur, dass sie nicht wüssten, was der korrekte Name für einen Tortenheber ist.

Ich habe es im Internet nachgeschlagen und „pie server“ ist eine einleuchtende und akkurate Bezeichnung. „Cake lifter“ existiert auch und kommt dem deutschen Tortenheber am nächsten. Amüsant finde ich vorallem „cake shovel“, also wörtlich übersetzt „Kuchenschaufel“, wobei ich mir einen Spaten vorstelle.

Ein anderes Beispiel ist „Zinne“, wie sie auf Burgmauern stehen und die zum Schutze der Ritter dienten. Wo doch eigentlich alle Kinder von Rittern und Burgen begeistert sind, da sollten sie doch das Wort „merlon“ (Zinne) kennen. Aber vielleicht kenne und vermisse ich dafür die Fachausdrücke für Cowboy und Indianer nicht.

Wenn ich Dinge nicht benennen kann, fühle ich mich eingeschränkt und behindert (als nicht im körperlichen oder geistigen Sinne). Die Kommunikation empfinde ich als erschwert und umständlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich für über ein Jahr bei Autoren gelebt habe, die sehr gut mit der englischen Sprache umgehen können und einen großen Wortschatz haben. Vielleicht ist es auch die deutsche Effizienz, die uns zugesprochen wird. Auf jeden Fall bin ich stets bemüht neue Wörter zu lernen, um mich präziser auszudrücken und nicht lange Umwege durch Umschreibungen machen muss.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es mich immer wieder, wenn mir meine amerikanischen Freunde sagen, sie wüssten nicht wie etwas heißt. Sie scheinen auch nie bestrebt zu sein das Wort nachzuschlagen oder überhaupt zu lernen. Warum das so ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Mich frustriert es dann häufig, wenn mein Wissensdurst ungestillt bleibt. Auch wenn es unhöflich ist, mitten in einer Unterhaltung das Smartphone zu befragen, so nutze ich meinen Ausländerstatus als Ausrede trotzdem das Wort nachzuschlagen.

Was sagt ihr? Sind wir in Deutschland wirklich so darauf Bedacht alles zu benennen, oder ist das etwas eigentümliches an mir?

Euer
Georg