Leben in der Zukunft

Die Zeitverschiebung zwischen Neuseeland und Deutschland beträgt 10 Stunden. Nach Omaha sind es 17 Stunden. Wenn ich jetzt morgens aufwache, ist es in Deutschland und Omaha noch der Vortag. Als ich am Freitag mit Michael in Omaha telefonierte und ihm ein schönes Wochenende wünschen wollte, meinte er, dass es bei ihm erst Donnerstag sei und er noch Freitag vor sich habe.

Seit dem letzten Blogeintrag ist viel passiert. Durch die Zeitverschiebung wachte ich in Singapur schon um halb drei auf. Um vier Uhr klingelte bei einem anderen im Zimmer der Wecker. Da er auch vor dem Einsetzen der Busse zum Flughafen musste, habe ich mir mit ihm ein Taxi geteilt. Somit war ich zwei Stunden früher am Flughafen als geplant. Am Flughafen holte ich mir das Pfand für die Fahrkarte vom Vortag wieder. Dann tauschte ich die restlichen Singapur-Dollar in Neuseeland-Dollar und kaufte mir mit dem verbleibenden Rundungsbetrag einen Kakao. Da ich in Neuseeland noch keine Unterkunft für meine Ankunft hatte, loggte ich mich an einem der kostenlosen Internetstationen ein und buchte das Hostel für die nächste Nacht. Mit ausreichend Zeit bis zum Flug genoss ich dann noch eine der Massagestationen, die die Füße und Waden ordentlich durchkneten.

In Neuseeland kam ich um halb elf Uhr abends an. Bei der Einreise gab ich an, dass ich meine Wanderstiefel dabei hatte. Die wurden erst einmal von allem Dreck gereinigt, damit ich nichts einschleppe, was die Natur in Neuseeland schädigen könnte. Nach Mitternacht kam ich dann im Hostel an. Das Bett war unbequem, die Luft war stickig und der Schlafsaal hatte kein Fenster. Also beschloss ich am nächsten Tag ein anderes Hostel zu beziehen.

Am ersten Tag in Auckland ging ich als erstes in die Bücherei, um das kostenlose Internet zu nutzen. Hungrig ging ich dann weiter in die Stadt. Dort besorgte ich mir eine SIM-Karte für das Handy. Bei dem Tarif von Spark ist auch jeden Tag 1GB bei Hotspots dabei. Die Hotspots sind ausgebaute Telefonzellen, die in vielen Stadtzentren zu finden seien. Somit hoffe ich, ausreichend Internet für meinen Aufenthalt zu haben. Dann kaufte ich mir etwas zum Essen und setzte mich zum Essen auf die Kaimauer vom Hafen und genoss die Gesellschaft eines Vogels.

Dann ging ich wieder in die Stadt. In der Queens Street, die Haupteinkaufsstraße, setzte ich mich in das W-Lan von Spark. Dort buchte ich auch gleich das Hostel für die nächste Nacht. Als ich im Hostel ankam, war die Buchung noch nicht synchronisiert. Am Abend saß ich noch mit anderen zusammen, wir unterhielten uns und ich trank ein Bierchen.

Am Freitag, also meinem zweiten Tag, beschloss ich spontan mit einer Reisegesellschaft über das Wochenende einen Ausflug zu machen. Backpacker und Einheimische haben eindringlich betont, dass man Auckland verlassen müsse, um das echte Neuseeland kennen zu lernen. Also fuhr ich spontan nach Rotorua.

Da ich so spät gebucht hatte, bekam ich im Inn ein Doppelzimmer für mich alleine. Die Abwechslung zu den Schlafsälen der Hostels kam mir sehr gelegen. Auch der 40°C warme Außenpool trug erheblich zu meinem Wohlbefinden bei. Von hier aus unternahmen wir Samstag und Sonntag verschiedene Ausflüge.

Als erstes besichtigten wir Wai-O-Tapu, das geothermale Wunderland. Wer Yellowstone kennt, findet hier eine mini Version wieder: heiße Quellen, sprudelnde Schlammlöcher und jede Menge nach faulen Eiern riechender Gase.

Von dort fuhren wir weiter zum Lake Taupo, dem größten inländischen Gewässer. Taupo sei im Vulkankrater von dem Vulkan, der erst Neuseeland hat entstehen lassen.

Von hier entspringt auch der längste Fluss Neuseelands. Etwas weiter flussabwärts ist auch der wasserreichste Wasserfall, wenn auch nicht sehr hoch.

Am Sonntag besichtigten wir die Stadt Rotorua, den Rotorua Lake und umliegende Seen. Die Landschaft ist atemberaubend schön.

Die ersten Siedler Neuseelands sind die Maori. Wir besuchten ein Dorf der Maori, um deren Kultur etwas besser kennen zu lernen. Das Dorf ist inmitten von heißen Quellen und dampfenden Löchern gelegen. Die Dorfbewohner machen sich diese natürlichen Quelle zunutze und kochen zum Beispiel in den heißen Dämpfen und im heißen Wasser. Auch für ein warmes Bad ist das Wasser gut zu gebrauchen.

Zum Abschluss der Besichtigung führten die Dofbewohner ihre traditionellen Tänze und Gesänge auf. Auch der Haka, der vor jedem Krieg zur Vorbereitung und zum Abschreckung getanzt wird, wurde uns gezeigt. Als Einlage durften wir als Zuschauer freiwillig auch den Haka mittanzen. Wie könnte ich mich die Gelegenheit entgehen lassen?

Am Sonntagnachmittag wanderte ich durch die Wälder. Zuerst ging der Wanderpfad durch einen Redwood Wald, dann aber auch verschiedene andere Baumarten. Ich genoss die Einsamkeit des Waldes. Der faulige Eiergeruch war hier nicht mehr zu riechen, dafür eine sanfte Note von Eukalyptus. Auf den letzte 700 Metern folgte ich den falschen Schildern. Es wurde jetzt dunkel und nach ca. einem Kilometer in der falschen Richtung drehte ich um, sodass ich erst bei vollkommener Dunkelheit bei der Information wieder ankam.

Am Abend beschloss ich am nächsten Tag nicht mit der Reisegesellschaft zurück nach Auckland zu fahren. Was meine spontanen Pläne sind, erzähle ich euch das nächste Mal.

Euer
Georg

P.S. Bilder muss ich nach reichen. Dafür reicht mein Internet gerade nicht.

Gigantische Bäume

Heute bin ich in Singapur und habe 16 Stunden Zeit. Am Flughafen tausche ich zuerst Geld in die örtliche Währung: Singapur-Dollar. Danach gehe ich zur U-Bahn und hole mir einen Fahrschein für den ganzen Tag, damit ich noch die Stadt erkunden kann. Im Flughafen konnte ich noch einen verwunschenen Garten bewundern.

Gegen sechs Uhr habe ich mich schon einmal verlaufen, aber ohne fremde Hilfe dann doch zu meinem Hostel gefunden. Ich beziehe mein Zimmer und komme sogleich mit anderen Backpackern ins Gespräch. Von denen will keiner mehr raus, weil das Wetter nicht so gut sei.

Wegen Schauern auf dem Flugfeld hatte mein Flugzeug auch mehrere Runden gedreht, um auf ein Ende des Regens zu warten. Als wir dann endlich landen wollten entschied sich der Pilot kurz vorm Aufsetzen dazu noch einmal durchzustarten und aufgrund des schlechten Wetters noch nicht zu landen. Insgesamt hatte ich noch viel mehr Zeit, um das Entertainmentsystem zu nutzen. Wann kommt man sonst schon dazu die Filme nachzuholen, die man im Kino verpasst hat? Übrigens, ich hatte Glück, das der Flieger kaum Passagiere hatte, so hatte jeder auf dem A380 die Möglichkeit sich zum Schlafen auf drei oder vier zusammenhängenden Sitzplätzen hinzulegen. :-)

Beim Anflug habe ich auf dem mehr so viele Schiffe bgesehen, wie in meinem ganzen Leben noch nicht auf einmal. So viele Frachtschiffe. Einfach unglaublich. Alle paar Meter war das nächste und die haben sich wie ein riesiger Teppich über das Meer gelegt.

Um sieben Uhr gehe ich dann Richtung Innenstadt. Besonders beeindruckend finde ich die Gärten an der Bay. Diese gigantischen (künstlichen) Bäume sind nur ein Teil der Gärten (in denen auch viele echte Pflanzen sind. Jeden Abend ist dort eine Show, in der die Beläuchtung zu bekannten Musikstücken wechselt. Die Musik reicht von Klassik bis zu Disney Musik und endet mit „Circle of Life“ aus dem König der Löwen, aber auch Aladin habe ich erkannt. Unten seht ihr ein Foto von den Bäumen.

Dann war fahre ich noch ins Cina Town. Da es schon spät wird haben bereits viele Geschäfte und Essensstände geschlossen.

Morgen geht es ganz früh weiter. Dann fliege ich nach Auckland.

Euer
Georg

Es geht wieder los

Der Schaffner kommt immer näher. Weiter vorne im Zug versucht eine junge Frau ein Ticket zu kaufen. Der Schaffner erklärt, dass er im Zug keine Verkehrsverbundsfahrscheine verkaufen kann, lässt die junge Frau aber ungestraft weiterfahren. Bei meinem Vordermann fehlt die Unterschrift auf der Monatskarte. „Was bekomme ich denn hier?“, werde ich gefragt, als ich mein Handy mit dem QR-Code drauf überreiche. Der Computer erkennt und verarbeitet zum ersten Mal meine Fahrkarte klaglos. „Geht es in den Urlaub?“, fragt der Schaffner, als er sieht, dass meine Fahrt am Frankfurter Flughafen endet. „Ja, Neuseeland!“, erwidere ich stolz.

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Geldpolitik: Gleiche Aktion -> Ungleiche Wirkung ?

Aus Europa hören wir Jubelschreibe: Endlich fällt der Wert des Euro. Damit würden europäische Exporte ins Ausland endlich günstiger. Dabei frage ich mich, wie viel das uns wirklich bringt. Deutsche Exporte gehen nur zu 60% in Länder die keinen Euro haben und wo es einen Effekt gibt. Solange Deutschland einen Exportüberschuss hat, ist der Effekt des billigen Euros relativ gut für uns. Doch mir fallen die kritischen Stimmen aus der EU ein, die unseren Handelsüberschuss kritisierten und fordern, dass wir ihn aufgeben. Bei einem schwachen Euro wird es für uns aber noch teurer im Ausland einzukaufen.

Großer Vorteil des billiger werdenden Euros soll die Bekämpfung einer Deflation sein. Angeblich seien die billigen Importe aus dem Ausland daran schuld, sodass eine Abwertung des Euros den Missstand behebe. Dabei ist es verwunderlich, dass wir nach der Geldmengenausweitung seit der Finanzkrise noch keine Hyperinflation haben. Anscheinend gibt es irgendwelche Prozesse die mir noch keiner erklären konnte, die sich leider auch nicht von einer Zentralbank steuern lassen.

Gleichzeitig mit den Jubelrufen über die Abwertung des Euros höre ich Klageschreie über eine Abwertung des Rubels. In Russland soll der Effekt der schwächer werdenden Währung negative Folgen haben. Dieselben Effekte wie oben beschrieben treten auf, aber für Russland ist es auf einmal ein Problem? Zugegeben, die Inflation in Russland ist höher, aber die Effekte im Außenhandel sind doch die gleichen. Außer vielleicht… Ja doch. Russland hat ein Handelsbilanzüberschuss während die EU ein Defizit aufweist.

Also könnte ein schwächerer Rubel zu einem größeren Handelsbilanzüberschuss führen und ein schwächerer Euro zu einem Ausgleich des Handelsbilanzdefizits. Von der Idee ganz gut. Aber nicht, wenn alle Währungen in etwa gleich abwerten und der Effekt auf den internationalen Märkten ausgeglichen ist. Die Frage ist also, was machen die anderen Währungen. Der Dollar als Weltreservewährung freut sich indes und steigt an Wert, auch gegenüber dem Yen der Japaner. Gerne würde ich auch einen Vergleich zur Chinesischen Währung machen, weiß aber, dass die Chinesen den Kurs aktiv beeinflussen und daher macht der Vergleich keinen Sinn.

Fazit: Ich halte nichts von der Politik der Europäischen Zentralbank. Es gibt keinen Gewinner bei diesem Wettrennen, außer den Dollar, aber nicht die Menschen. Ich bin dafür, dass die Zentralbank den Wechselkurs nicht als Maßstab für ihr eigenes Handeln nutzt, sondern sich auf die langfristige Stabilität des Euros konzentriert. Dadurch wären kurzfristige Aktionen in einer Zeit der Ruhe, wie jetzt, überflüssig.

Man macht sich halt so seine Gedanken

Ist die totale Überwachung das Ende des Kapitalismus?

Die technische Entwicklung der letzten Jahre ist rasant vorangeschritten. Dabei wollen Vordenker und Unternehmer eine neue Welt geschaffen haben: Angeblich leben wir im Informationszeitalter. Außerdem sollen wir in einer durch und durch digitalisierten Welt leben. Aber ist das so? Ich habe erst kürzlich drei Stunden auf der Straßenverkehrsbehörde gewartet, nur um ein Auto anzumelden. Digitale Formulare und automatische Verarbeitung des Antrags sind hier noch lange nicht angekommen.

Ich sehe, dass es eine Tendenz zu mehr digitalen Lösungen und noch mehr Vernetzung über das Internet gibt. Aber wir sind dort noch nicht angekommen!

Shoshana Zuboff hat eine tolle Rede darüber gehalten, wie wir unsere Welt beschreiben müssen, um sie zu verstehen. Sie sagt, dass wir diese Beschreibung der Welt nicht anderen überlassen dürfen. Wenn wir selbst nicht mitgestalten, dann werden wir bevormundet und als Konsequenz könnten wir als Gesellschaft verlieren. Verlieren könnten wir unsere hart erkämpften Freiheiten und Grundrechte. Verlieren würden wir die Selbstbestimmung.

Es geht mir aber darum, dass wir noch immer eine gut funktionierende Gesellschaft haben. Die Politik, das Sozialsystem, das Miteinander – alles haben wir schon. Wir wissen aber auch, dass alles veränderlich ist und kontinuierlich im Wandel ist. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, dass wir diesen Wandel akzeptieren und selbst mitgestalten. Um jedoch dies zu tun, brauchen wir ein solides Wertesystem. Warum sind Werte so wichtig? Weil sie wie Leitplanken dafür sorgen, dass alle unsere Entscheidungen auf Linie sind mit dem, was uns wichtig ist.

Ich nehme „Privatsphäre“ als ein Beispiel. Für mich ist Privatsphäre ein Wert, den ich sehr schätze und als wichtig empfinde. Für mich bedeutet Privatsphäre, dass ich andere Menschen respektiere und deren Grenzen beachte und gleichzeitig fordere ich ein, dass ich und meine Grenzen akzeptiert und eingehalten werden. Das fängt damit an, dass ich niemals ungefragt das Tagebuch eines anderen lesen werde. Auch wenn jemand in der Straßenbahn am Handy telefoniert, werde ich dezent weghören. Das Weitergeben von Bildern, die mir vertraulich geschickt wurden, werde ich unterlassen. Auch Postkarten, die nicht an mich geschrieben sind, werde ich nicht lesen – auch wenn ich zugegeben stets neugierig bin.

Wenn ich jetzt an der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft aktiv beteiligt bin, dann setze ich mich dafür ein, dass die Privatsphäre ein wichtiger Bestandteil ist. Dass dies aktuell versucht wird zu unterwandern, sehen wir an den „Datenkraken“, die regelmäßig für den Big-Brother-Award ausgezeichnet werden. Ich bin gegen einen weltweiten Überwachungsstaat.

Aktuell wird gegen die großen Internetfirmen gewettert. Ihr Geschäftsmodell beruht leider auf der Ausbeute unserer Privatsphäre und fordert deren Abschaffung. Es kann sich keiner ihnen so richtig entziehen. Dies muss nicht so bleiben. Jeremy Rifkin prophezeit, dass der Kapitalismus ein Ende finden wird und stattdessen eine „Sharing Economy“ entstehen wird. Mir gefällt, wie er die Rolle der aktuellen Internetfirmen betrachtet: als Pioniere, die den Weg bereiten und uns einen Anstoß geben. Uns obliegt jedoch die Entscheidung, wie wir diese Entwicklung mitgehen. Nehmen wir sie wie diktiert an? Stellen wir eigene Forderungen für Änderungen? Gestalten wir eigene Lösungen, die in Konkurrenz stehen?

Zum Glück gibt es viele Initiativen, die an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken. Eine sehr junge Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, um bei meinem Beispiel der Privatsphäre zu bleiben, die Absicherung unserer Kommunikation so einfach zu machen, dass sich jeder und ohne technisches Verständnis vor Überwachung im Internet schützen kann: pretty Easy privacy.

Was mich freut: Es gibt immer Menschen, die sich für Werte einsetzen, die mir wichtig sind. Ich bin mir sicher, dass wir in einer Gesellschaft mit guten Werten und Normen leben. Dazu trage ich meinen Teil bei, getreu dem chinesischen Sprichwort:

Wenn du dein Land ändern willst, musst du erst einmal dein Dorf ändern, wenn du dein Dorf ändern willst, musst du erst einmal deine Familie ändern und wenn du deine Familie ändern willst, musst du erst einmal dich selbst ändern.