Gigantische Bäume

Heute bin ich in Singapur und habe 16 Stunden Zeit. Am Flughafen tausche ich zuerst Geld in die örtliche Währung: Singapur-Dollar. Danach gehe ich zur U-Bahn und hole mir einen Fahrschein für den ganzen Tag, damit ich noch die Stadt erkunden kann. Im Flughafen konnte ich noch einen verwunschenen Garten bewundern.

Gegen sechs Uhr habe ich mich schon einmal verlaufen, aber ohne fremde Hilfe dann doch zu meinem Hostel gefunden. Ich beziehe mein Zimmer und komme sogleich mit anderen Backpackern ins Gespräch. Von denen will keiner mehr raus, weil das Wetter nicht so gut sei.

Wegen Schauern auf dem Flugfeld hatte mein Flugzeug auch mehrere Runden gedreht, um auf ein Ende des Regens zu warten. Als wir dann endlich landen wollten entschied sich der Pilot kurz vorm Aufsetzen dazu noch einmal durchzustarten und aufgrund des schlechten Wetters noch nicht zu landen. Insgesamt hatte ich noch viel mehr Zeit, um das Entertainmentsystem zu nutzen. Wann kommt man sonst schon dazu die Filme nachzuholen, die man im Kino verpasst hat? Übrigens, ich hatte Glück, das der Flieger kaum Passagiere hatte, so hatte jeder auf dem A380 die Möglichkeit sich zum Schlafen auf drei oder vier zusammenhängenden Sitzplätzen hinzulegen. :-)

Beim Anflug habe ich auf dem mehr so viele Schiffe bgesehen, wie in meinem ganzen Leben noch nicht auf einmal. So viele Frachtschiffe. Einfach unglaublich. Alle paar Meter war das nächste und die haben sich wie ein riesiger Teppich über das Meer gelegt.

Um sieben Uhr gehe ich dann Richtung Innenstadt. Besonders beeindruckend finde ich die Gärten an der Bay. Diese gigantischen (künstlichen) Bäume sind nur ein Teil der Gärten (in denen auch viele echte Pflanzen sind. Jeden Abend ist dort eine Show, in der die Beläuchtung zu bekannten Musikstücken wechselt. Die Musik reicht von Klassik bis zu Disney Musik und endet mit “Circle of Life” aus dem König der Löwen, aber auch Aladin habe ich erkannt. Unten seht ihr ein Foto von den Bäumen.

Dann war fahre ich noch ins Cina Town. Da es schon spät wird haben bereits viele Geschäfte und Essensstände geschlossen.

Morgen geht es ganz früh weiter. Dann fliege ich nach Auckland.

Euer
Georg

Es geht wieder los

Der Schaffner kommt immer näher. Weiter vorne im Zug versucht eine junge Frau ein Ticket zu kaufen. Der Schaffner erklärt, dass er im Zug keine Verkehrsverbundsfahrscheine verkaufen kann, lässt die junge Frau aber ungestraft weiterfahren. Bei meinem Vordermann fehlt die Unterschrift auf der Monatskarte. “Was bekomme ich denn hier?”, werde ich gefragt, als ich mein Handy mit dem QR-Code drauf überreiche. Der Computer erkennt und verarbeitet zum ersten Mal meine Fahrkarte klaglos. “Geht es in den Urlaub?”, fragt der Schaffner, als er sieht, dass meine Fahrt am Frankfurter Flughafen endet. “Ja, Neuseeland!”, erwidere ich stolz.

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Geldpolitik: Gleiche Aktion -> Ungleiche Wirkung ?

Aus Europa hören wir Jubelschreibe: Endlich fällt der Wert des Euro. Damit würden europäische Exporte ins Ausland endlich günstiger. Dabei frage ich mich, wie viel das uns wirklich bringt. Deutsche Exporte gehen nur zu 60% in Länder die keinen Euro haben und wo es einen Effekt gibt. Solange Deutschland einen Exportüberschuss hat, ist der Effekt des billigen Euros relativ gut für uns. Doch mir fallen die kritischen Stimmen aus der EU ein, die unseren Handelsüberschuss kritisierten und fordern, dass wir ihn aufgeben. Bei einem schwachen Euro wird es für uns aber noch teurer im Ausland einzukaufen.

Großer Vorteil des billiger werdenden Euros soll die Bekämpfung einer Deflation sein. Angeblich seien die billigen Importe aus dem Ausland daran schuld, sodass eine Abwertung des Euros den Missstand behebe. Dabei ist es verwunderlich, dass wir nach der Geldmengenausweitung seit der Finanzkrise noch keine Hyperinflation haben. Anscheinend gibt es irgendwelche Prozesse die mir noch keiner erklären konnte, die sich leider auch nicht von einer Zentralbank steuern lassen.

Gleichzeitig mit den Jubelrufen über die Abwertung des Euros höre ich Klageschreie über eine Abwertung des Rubels. In Russland soll der Effekt der schwächer werdenden Währung negative Folgen haben. Dieselben Effekte wie oben beschrieben treten auf, aber für Russland ist es auf einmal ein Problem? Zugegeben, die Inflation in Russland ist höher, aber die Effekte im Außenhandel sind doch die gleichen. Außer vielleicht… Ja doch. Russland hat ein Handelsbilanzüberschuss während die EU ein Defizit aufweist.

Also könnte ein schwächerer Rubel zu einem größeren Handelsbilanzüberschuss führen und ein schwächerer Euro zu einem Ausgleich des Handelsbilanzdefizits. Von der Idee ganz gut. Aber nicht, wenn alle Währungen in etwa gleich abwerten und der Effekt auf den internationalen Märkten ausgeglichen ist. Die Frage ist also, was machen die anderen Währungen. Der Dollar als Weltreservewährung freut sich indes und steigt an Wert, auch gegenüber dem Yen der Japaner. Gerne würde ich auch einen Vergleich zur Chinesischen Währung machen, weiß aber, dass die Chinesen den Kurs aktiv beeinflussen und daher macht der Vergleich keinen Sinn.

Fazit: Ich halte nichts von der Politik der Europäischen Zentralbank. Es gibt keinen Gewinner bei diesem Wettrennen, außer den Dollar, aber nicht die Menschen. Ich bin dafür, dass die Zentralbank den Wechselkurs nicht als Maßstab für ihr eigenes Handeln nutzt, sondern sich auf die langfristige Stabilität des Euros konzentriert. Dadurch wären kurzfristige Aktionen in einer Zeit der Ruhe, wie jetzt, überflüssig.

Man macht sich halt so seine Gedanken

Ist die totale Überwachung das Ende des Kapitalismus?

Die technische Entwicklung der letzten Jahre ist rasant vorangeschritten. Dabei wollen Vordenker und Unternehmer eine neue Welt geschaffen haben: Angeblich leben wir im Informationszeitalter. Außerdem sollen wir in einer durch und durch digitalisierten Welt leben. Aber ist das so? Ich habe erst kürzlich drei Stunden auf der Straßenverkehrsbehörde gewartet, nur um ein Auto anzumelden. Digitale Formulare und automatische Verarbeitung des Antrags sind hier noch lange nicht angekommen.

Ich sehe, dass es eine Tendenz zu mehr digitalen Lösungen und noch mehr Vernetzung über das Internet gibt. Aber wir sind dort noch nicht angekommen!

Shoshana Zuboff hat eine tolle Rede darüber gehalten, wie wir unsere Welt beschreiben müssen, um sie zu verstehen. Sie sagt, dass wir diese Beschreibung der Welt nicht anderen überlassen dürfen. Wenn wir selbst nicht mitgestalten, dann werden wir bevormundet und als Konsequenz könnten wir als Gesellschaft verlieren. Verlieren könnten wir unsere hart erkämpften Freiheiten und Grundrechte. Verlieren würden wir die Selbstbestimmung.

Es geht mir aber darum, dass wir noch immer eine gut funktionierende Gesellschaft haben. Die Politik, das Sozialsystem, das Miteinander – alles haben wir schon. Wir wissen aber auch, dass alles veränderlich ist und kontinuierlich im Wandel ist. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, dass wir diesen Wandel akzeptieren und selbst mitgestalten. Um jedoch dies zu tun, brauchen wir ein solides Wertesystem. Warum sind Werte so wichtig? Weil sie wie Leitplanken dafür sorgen, dass alle unsere Entscheidungen auf Linie sind mit dem, was uns wichtig ist.

Ich nehme “Privatsphäre” als ein Beispiel. Für mich ist Privatsphäre ein Wert, den ich sehr schätze und als wichtig empfinde. Für mich bedeutet Privatsphäre, dass ich andere Menschen respektiere und deren Grenzen beachte und gleichzeitig fordere ich ein, dass ich und meine Grenzen akzeptiert und eingehalten werden. Das fängt damit an, dass ich niemals ungefragt das Tagebuch eines anderen lesen werde. Auch wenn jemand in der Straßenbahn am Handy telefoniert, werde ich dezent weghören. Das Weitergeben von Bildern, die mir vertraulich geschickt wurden, werde ich unterlassen. Auch Postkarten, die nicht an mich geschrieben sind, werde ich nicht lesen – auch wenn ich zugegeben stets neugierig bin.

Wenn ich jetzt an der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft aktiv beteiligt bin, dann setze ich mich dafür ein, dass die Privatsphäre ein wichtiger Bestandteil ist. Dass dies aktuell versucht wird zu unterwandern, sehen wir an den “Datenkraken”, die regelmäßig für den Big-Brother-Award ausgezeichnet werden. Ich bin gegen einen weltweiten Überwachungsstaat.

Aktuell wird gegen die großen Internetfirmen gewettert. Ihr Geschäftsmodell beruht leider auf der Ausbeute unserer Privatsphäre und fordert deren Abschaffung. Es kann sich keiner ihnen so richtig entziehen. Dies muss nicht so bleiben. Jeremy Rifkin prophezeit, dass der Kapitalismus ein Ende finden wird und stattdessen eine “Sharing Economy” entstehen wird. Mir gefällt, wie er die Rolle der aktuellen Internetfirmen betrachtet: als Pioniere, die den Weg bereiten und uns einen Anstoß geben. Uns obliegt jedoch die Entscheidung, wie wir diese Entwicklung mitgehen. Nehmen wir sie wie diktiert an? Stellen wir eigene Forderungen für Änderungen? Gestalten wir eigene Lösungen, die in Konkurrenz stehen?

Zum Glück gibt es viele Initiativen, die an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken. Eine sehr junge Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, um bei meinem Beispiel der Privatsphäre zu bleiben, die Absicherung unserer Kommunikation so einfach zu machen, dass sich jeder und ohne technisches Verständnis vor Überwachung im Internet schützen kann: pretty Easy privacy.

Was mich freut: Es gibt immer Menschen, die sich für Werte einsetzen, die mir wichtig sind. Ich bin mir sicher, dass wir in einer Gesellschaft mit guten Werten und Normen leben. Dazu trage ich meinen Teil bei, getreu dem chinesischen Sprichwort:

Wenn du dein Land ändern willst, musst du erst einmal dein Dorf ändern, wenn du dein Dorf ändern willst, musst du erst einmal deine Familie ändern und wenn du deine Familie ändern willst, musst du erst einmal dich selbst ändern.

Exakter oder unpräziser Sprachgebrauch im Alltag

Eine häufige Frage, die mir gestellt wird, ist: „Wie ist das Leben in den USA?“ Selbstverständlich beinhaltet dies mehrere Aspekte und Dimensionen. In einer Serie stelle ich hier im Blog vor, was mir im Laufe der Zeit auffällt. Manche dieser Beobachtungen sind lustig, einige frusten mich und meistens ist es eine gute Überlegung wert.

Heute möchte ich von etwas berichten, was mich regelmäßig erstaunt und ein bisschen frustet. Als Fremdsprachler habe ich erwartungsgemäß einen geringeren Wortschatz als Muttersprachler. Darüber hinweg hilft das Paraphrasieren, also das Umschreiben von Gegenständen, Gefühlen, Konzepten, Ideen, Tätigkeiten und was ich sonst ausdrücken möchte. Diese Technik erscheint ganz natürlich und in der Schule wurde ich dazu ermutigt, durch das Paraphrasieren eine Fremdsprache besser zu beherrschen. Ich finde es daher in Ordnung, wenn ich einfache Wörter, wie „Tortenheber“ weder aus dem Unterricht, noch aus der Zeitung kenne.

Gestern war ich mit Freunden unterwegs. Bevor wir uns den Film „Hunger Games“ in der Stadt angeschauten, backten wir einen Pie (eine Amerikanische Variante eines Kuchens). Nach dem Film war der Pie abgekühlt und wir verspeisten ihn. Beim Servieren stellten wir fest, dass mein Freund keinen Tortenheber zuhause hat. Während ich in meinem Gedächtnis nach dem englischen Wort für Tortenheber suchte, umschrieben wir gemeinsam den Aufbau und die Funktion desselben. Als ich dann immer noch nicht das Wort wusste, fragte ich meine Freunde, wie das Gerät denn heißt und habe als Hilfestellung auch den deutschen Namen genannt. Erfahrungsgemäß gibt es im englischen gelegentlich ein ähnliches Wort zum Deutschen (dazu könnte ich einen eigenen Blogbeitrag schreiben). Als Antwort bekam ich aber nur, dass sie nicht wüssten, was der korrekte Name für einen Tortenheber ist.

Ich habe es im Internet nachgeschlagen und „pie server“ ist eine einleuchtende und akkurate Bezeichnung. „Cake lifter“ existiert auch und kommt dem deutschen Tortenheber am nächsten. Amüsant finde ich vorallem „cake shovel“, also wörtlich übersetzt „Kuchenschaufel“, wobei ich mir einen Spaten vorstelle.

Ein anderes Beispiel ist „Zinne“, wie sie auf Burgmauern stehen und die zum Schutze der Ritter dienten. Wo doch eigentlich alle Kinder von Rittern und Burgen begeistert sind, da sollten sie doch das Wort „merlon“ (Zinne) kennen. Aber vielleicht kenne und vermisse ich dafür die Fachausdrücke für Cowboy und Indianer nicht.

Wenn ich Dinge nicht benennen kann, fühle ich mich eingeschränkt und behindert (als nicht im körperlichen oder geistigen Sinne). Die Kommunikation empfinde ich als erschwert und umständlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich für über ein Jahr bei Autoren gelebt habe, die sehr gut mit der englischen Sprache umgehen können und einen großen Wortschatz haben. Vielleicht ist es auch die deutsche Effizienz, die uns zugesprochen wird. Auf jeden Fall bin ich stets bemüht neue Wörter zu lernen, um mich präziser auszudrücken und nicht lange Umwege durch Umschreibungen machen muss.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es mich immer wieder, wenn mir meine amerikanischen Freunde sagen, sie wüssten nicht wie etwas heißt. Sie scheinen auch nie bestrebt zu sein das Wort nachzuschlagen oder überhaupt zu lernen. Warum das so ist, habe ich noch nicht herausgefunden. Mich frustriert es dann häufig, wenn mein Wissensdurst ungestillt bleibt. Auch wenn es unhöflich ist, mitten in einer Unterhaltung das Smartphone zu befragen, so nutze ich meinen Ausländerstatus als Ausrede trotzdem das Wort nachzuschlagen.

Was sagt ihr? Sind wir in Deutschland wirklich so darauf Bedacht alles zu benennen, oder ist das etwas eigentümliches an mir?

Euer
Georg